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Vorstadtkrokodile
(Vorstadtkrokodile, Deutschland 2009, FSK: 6, 93 min.)
Abenteuer    Kinder-/Jugendfilm   

Hier läuft dieser Film!
Kurzbeschreibung:

Der zehnjährige Hannes hat eigentlich nur einen einzigen großen Wunsch: Er will unbedingt ein Vorstadtkrokodil sein. Um in der coolen Kinderbande aufgenommen zu werden, muss er allerdings eine gefährliche Mutprobe bestehen und auf das Dach einer alten Ziegelei klettern. Als er dabei in höchste Gefahr gerät, rettet ihm der querschnittsgelähmte Kai durch einen Anruf bei der Feuerwehr das Leben, und schnell freunden sich die beiden Jungen daraufhin an. Bei den Krokodilen sieht man das aber gar nicht gern. (j.b.)


Das sagen die Kritiker zu diesem Film:

Vorsicht, bissig!
Die "Vorstadtkrokodile" schaffen mühelos den Sprung in die Gegenwart: Die rasante Verfilmung des 1976 veröffentlichten gleichnamigen Kinderbuches ist ein unverkrampfter Kinospaß.

Banden, Zusammenhalt, Freundschaft, Akzeptanz des Andersseins: Es ist gut zu wissen, dass manche Dinge nie aus der Mode kommen. 1976 schrieb der Kinderbuchautor Max von der Grün das Kinderbuch "Vorstadtkrokodile", das nur ein Jahr später von Wolfgang Becker ("Goodbye, Lenin!") für das WDR-Fernsehen verfilmt wurde. Mehr als 30 Jahre danach erobert die Jugendbande die Kinoleinwand - in einer ordentlich aufgepeppten Version. Viel Humor, noch mehr Sprüche und ein wenig Ruhrpottcharme - die "Vorstadtkrokodile" des Jahrgangs 2009 toben sich im Prinzip in einer Art 80er-Jahre-Actionfilm für Kids aus. Und der kommt erfrischenderweise ohne Fußball aus. Obwohl Hauptdarsteller Nick Romeo Reimann in den Teilen drei bis fünf zu den "Wilden Kerlen" gehörte.

Neben Reimann als Hannes bekommen die "Vorstadtkrokodile " ein weiteres prominentes Mitglied. Fabian Halbig, Schlagzeuger der Teenie-Chartstürmer Killerpilze, ist als Kai an den Rollstuhl gefesselt und wird von seinen Eltern (Maria Schrader, Smudo) im Goldenen Käfig gehalten. Er beobachtet Hannes, während der die obligatorische Aufnahme-Mutprobe für die Vorort-Jugendbande absolviert und dabei in eine lebensbedrohliche Situation gerät, mit einem Fernrohr aus seinem Zimmer heraus und rettet dem Jungen das Leben.

Trotzdem sieht sich der "Spasti" zunächst jeder Menge Vorurteilen ausgesetzt. Selbst Hannes bedankt sich nur widerwillig bei Kai. Die Integration Behinderter fällt der Bande nicht leicht. Die Jungs dulden Maria (Leoni Tepe) in ihrer Mitte schließlich auch nur, weil sie kein typisches Mädchen ist. Viel hat sich seit den 70er-Jahren nicht geändert: Autor Max von der Grün hatte das Buch einst seinem behinderten Sohn gewidmet. Erst als Kai einen Raubüberfall beobachtet, den die Kinder aufklären wollen, um Hannes Mutter (Nora Tschirner) zu helfen, werden Vorurteile so unwichtig, wie sie sein sollten. Mit Entschlossenheit und Witz gehen sie gemeinsam auf Verbrecherjagd.

Das ordentliche Budget von 4,5 Millionen sieht man dem Film durchaus an. Ungeniert wird hier zu den großen Hollywoodproduktionen aufgeschaut, ohne sich dabei klein zu machen oder den eigenständigen Charme zu verlieren. Dennoch: Die "Vorstadtkrokodile" sind auf großes Kino gebürstet, mit schnellen Schnitten in Clip-Optik und moderner Kinderzimmertechnik. Die Anfangssequenz - ein waschechter Minithriller -, in der Hannes hilflos an der Dachrinne einer alten Ziegelei baumelt, gibt den Ton vor. Es gibt viel Action, passiert ständig etwas. Die Atemlosigkeit des Films gebiert viele Höhepunkte, vernachlässigt dabei aber einige Figuren, die nur schemenhaft umrissen werden.

Das große Ganze verliert Regisseur Christian Ditter aber nicht aus den Augen. "Vorstadtkrokodile" ist ein rasant inszenierter, sehr moderner Kinderfilm, der seine jungen Helden und ihre Probleme ernst nimmt, ohne die Moralkeule auszupacken. Die Dialoge haben Witz, die Pointen werden zielsicher gesetzt - auch dank uneitler Nebenrollen (Jacob Matschenz, Axel Stein) und herrlicher Gastauftritte (Ralf Richter als Proll-Polizist und Martin Semmelrogge als Minigolfplatz-Wärter). Man nimmt sich nicht allzu ernst. Das ist hilfreich, wenn große Themen, wie allein erziehende Eltern und die Schwierigkeiten bei der Integration von Einwanderern, ebenso ihren Platz haben sollen, wie die erste Liebe und ein auf die schiefe Bahn geratener großer Bruder.

Das Kino holt sich jedenfalls verlorenes Terrain zurück: mit einer neuen Coolness, die den Sehgewohnheiten im Medienzeitalter gerecht wird und dabei die Geschichte nicht ganz vergisst, auch wenn etwas mehr Storyentwicklung nicht verkehrt gewesen wäre. Die Protagonisten haben zwar - wie im Titelsong von Apollo 3 propagiert - das Zeug zum "Superhelden". Sie sind aber vor allem normale Kinder und Jugendliche in der normalen, modernen Welt. Und da können Jungs durchaus ein Problem haben, ihrem behinderten Freund beim Pinkeln zu helfen. Am Ende ist es also Maria, die beherzt zugreift, damit "Rolli" Kai Wasser lassen kann: "Wieso? Ist doch nur ein Pimmel." So einfach ist das nämlich. Das Aufwachsen in Deutschland 2009 ist auf der Leinwand ein wunderbar unverkrampfter Prozess.

Quelle: teleschau - der mediendienst

V:Constantin, D 2009, R: Christian Ditter, D: Nick Romeo Reimann, Fabian Halbig, Manuel Steitz u.a.

Quelle: teleschau - der mediendienst