Kinoprogramm
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Liebe auf den zweiten Blick(Last Chance Harvey, USA 2008, FSK: 0, 93 min.) Drama Hier läuft dieser Film! Kurzbeschreibung:
Glück sieht wirklich anders aus. Denn nicht nur, dass es für den New Yorker Harvey Shine beruflich gerade alles andere als rund läuft. Auch privat kommt der erfolglose Werbe-Jingle-Komponist vom Regen in die Traufe, als er zur Hochzeit seiner Tochter nach London reist, um hier zu erfahren, dass nicht er, sondern stattdessen der neue Mann seiner Exfrau Susan zum Traualtar führen soll. Tief gekränkt will er deshalb eigentlich nur noch nach Hause. Zumindest bis ihm Kate über den Weg läuft... (j.b.)
Das sagen die Kritiker zu diesem Film:
Auf müden Freiersfüßen durch London
Dass Amors Pfeile auch die Generation Kukident treffen, hat Andreas Dresen mit seinem preisgekrönten Rentnerdrama "Wolke 9" bereits eindrucksvoll vorgeführt. Hollywood geht so ein Thema natürlich ein wenig anders an. Dustin Hoffman und Emma Thompson lassen sich in der charmanten Seniorenkomödie "Liebe auf den zweiten Blick" natürlich nicht auf leidenschaftlichen Sex vor der Kamera ein. Sie beschränken sich auf malerische Spaziergänge durch die Londoner Innenstadt. Heraus kam ein liebenswert altmodischer Film, dem ein wenig mehr Pep allerdings gut getan hätte.
Der New Yorker Musiker Harvey Shine (Hoffman) wäre so gerne Jazz-Musiker geworden, doch stattdessen verdient er sich seine Brötchen als Auftragskünstler, der sich für eine Werbeagentur immer neue simple TV-Jingles einfallen lassen muss. Eine Ausflucht aus dem drögen Alltag ist für ihn sein Trip nach London, wo seine bezaubernde Tochter Susan (Liane Balaban) heiraten wird. Doch auch bei der Hochzeitsfeier spielt Harvey, der mit seinem neuen weißen Anzug so gerne den Strahlemann auf der Party gespielt hat, nur die zweite Geige. Seit seiner Scheidung von seiner Ehefrau Jean (Kathy Baker) hat Susan in ihrem Stiefvater Brian (James Brolin) einen ebenbürtigen Ersatz-Elternteil gefunden. Resigniert muss Harvey erfahren, dass sich Susan vom smarten Sonnyboy Brian, und eben nicht vom Hänfling Harvey, zum Traualter führen lassen möchte - eine Demütigung erster Klasse. Und die Rechnung mit dem neuen Anzug ging auch nicht auf: Bei der Party in einem Designer-Restaurant tragen alle elegantes Schwarz - und an Harveys Anzugarm baumelt noch die lästige Diebstahlssicherung aus dem Kaufhaus. Aber da hat Harvey ohnehin schon beschlossen, dass er der eigentlichen Hochzeit nicht beiwohnen wird. Frustriert macht er sich auf nach Heathrow, verpasst prompt seinen Flieger - und will sich nach gewohnter Manier frustriert in einer Flughafenkneipe volllaufen lassen.
Doch wie es der von Regieneuling Joel Hopkins, der die Vorlage zum Film selbst verfasst hatte, gesteuerte Zufall so will, macht Harvey in der Kneipe eine lebensverändernde Begegnung: Die ebenfalls vom Leben leicht mitgenommene Kate (Emma Thompson), die von ihrer tyrannischen Mutter Maggie (Eileen Atkins) stets über den neuesten Stand ihrer verzweifelten Versuche, endlich doch noch einen Mann kennenzulernen, per Handy ausgequetscht wird, öffnet sich nach anfänglicher Widerborstigkeit für Harveys hartnäckige Werbeversuche. Spazierend, plaudern, und nach und nach in echter, weil reifer Liebe entflammt, durchwandern die beiden ein selten in ein derart romantisches Licht getauchtes London. Kates resoluter Unterstützung ist es auch gedankt, dass Harvey, an ihrer Seite, doch noch bei der Hochzeit seiner Tochter auftaucht und für einen kurzen Moment seine Würde zurückgewinnt.
Quelle: teleschau - der mediendienstDoch damit belässt es Joel Hopkins nicht: Er lässt die bislang nur zart entfaltete Annäherung zwischen Harvey und Kate auf ein dramatisches Finale zusteuern, das zwar der Hollywood-Tradition großer Liebesfilme geschuldet ist, aber ein wenig zu sehr an "Die große Liebe meines Lebens" (1957) oder "Schlaflos in Seattle" (1993) erinnert. Seine Wirkung wird der Film, der perfekt in die Fernseh-Primetime am Sonntagabend im ZDF passen könnte, nicht verfehlen, dafür ist die Zugkraft seiner Stars zu stark. Dustin Hoffman gelingt das Kunststück, sein Markenzeichen, die leicht linkische Attitüde und sein hinreißend breites Grinsen, einzusetzen und trotzdem nicht überzustrapazieren. Auch Emma Thompson ist eine gute Wahl und eindeutig der Sympathieträger. Dennoch hinterlässt der Film zum Schluss einen leicht unausgegorenen Eindruck: Für eine reine Romanze ist er zu bitter, für eine bissige Komödie aufs Älterwerden zu träge. Etwas mehr Schwung beim Inszenieren seines großen Schauspielerkinos hätte Joel Hopkins jedenfalls nicht geschadet. V:Concorde, USA 2008, R: Joel Hopkins, D: Dustin Hoffman, Emma Thompson, James Brolin u.a. Quelle: teleschau - der mediendienst |



