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John Rabe
(John Rabe, Deutschland 2009, FSK: 12, 134 min.)
Drama   

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Kurzbeschreibung:

Als 1937 die japanische Armee in China einfällt, die Städte in Brand setzt und mit schrecklicher Brutalität und Grausamkeit gegen die Zivilbevölkerung vorgeht, kann der Hamburger Kaufmann John Rabe nicht einfach sein eigenes Leben in Sicherheit bringen. Stattdessen beschließt er, gemeinsam mit dem jüdischen Diplomaten Dr. Rosen und der französischen Lehrerin Valérie Dupres eine Sicherheitszone einzurichten, um die Menschen zu schützen und so Hunderttausenden das Leben zu retten. (j.b.)


Das sagen die Kritiker zu diesem Film:

Ein guter Nazi?
Oscar-Gewinner Florian Gallenberger erzählt in epischen Bildern von einem Mann, der Nazi war und trotzdem ein guter Deutscher. Leider ertrinkt seine Heldensaga "John Rabe" in undifferenziertem Pathos.

Wenn man Florian Gallenberger eines nicht absprechen kann, dann ist es Mut. Der Regisseur, 2001 Oscar-Gewinner für den Kurzfilm "Quiero Ser", setzte dem NSDAP-Mitglied "John Rabe" ein filmisches Denkmal. Natürlich stellt sich die Frage: Kann man das? Darf man das? Ja: Natürlich ist nichts gegen eine differenzierte Geschichtsbetrachtung einzuwenden. Im Gegenteil, es wird sogar Zeit, die Braun-Weiß-Malerei aufzugeben. Auch Brauntöne können schattiert sein. John Rabe ist der beste Beweis. Der gute Deutsche von Nanking rettete 1937 mehr als 200.000 Chinesen das Leben.

John, wer? - Kaum jemand kennt den Mann, der bis 1937 Chef der chinesischen Siemens-Dependance in der damaligen Hauptstadt des Riesenreichs war, bis er vom Konzern nach Deutschland zurückbeordert wurde. Kurz vor der Abreise beginnen die Japaner, Nanking in Schutt und Asche legen. Und so schlägt die Stunde, in der Rabe zum Helden wird. Nicht allein, sondern als Teil der internationalen Gemeinschaft vor Ort, die eine Schutzzone für Zivilisten in der Stadt errichten. Mit Rabe als Chef. Er kennt sich in der Stadt am besten aus, hat Organisationstalent, ist pflichtbewusst, diszipliniert. Und mag die Chinesen mit väterlicher Güte. Weil sie zu ihm aufblicken, und weil er seine "Kinder" mit deutschen Tugenden erziehen kann.

Dieser Mann wird bei Florian Gallenberger zum Helden, gnadenlos und ohne Zwischentöne. Doch so überhöht, wie Rabe im Film gezeichnet wird, war er nicht. "Weglaufen oder Held spielen?" fragt er sich - in einer der zahlreichen von Hauptdarsteller Ulrich Tukur vorgelesenen originalen Tagebuchpassagen. Rabe spielt also Held, vor allem aus Pflichtbewusstsein und weil er nach dem vermeintlichen Tod seiner Gattin Dora (Dagmar Manzel) einen Sinn im Leben braucht.

30 Jahre lebte Rabe in China, ein pflichtbewusster Mann, loyal seinem Arbeitgeber gegenüber: Deutschland ist weit weg, Rabe kann, nachvollziehbar, nicht viel wissen von Hitlers Politik, ist wohl vor allem aus Dienstbeflissenheit NSDAP-Mitglied geworden. Ein Nazi auf dem Papier, nicht aus Überzeugung. Trotzdem lässt Gallenberger den Nationalsozialismus zur Groteske verkommen. Mit Führerporträts, die vom englischen König verdeckt werden. Mit einem als Hitler verkleideten Bürovorsteher und einem albernen, aber ernst gemeinten "Heil Hintern", mit dem der jüdisch-stämmige Diplomat Rosen (Daniel Brühl) gegen das Dritte Reich protestiert.

Politische Hintergründe sind hier jedoch unwichtig, was zählt ist der Unterhaltungsfaktor. Von der ersten Einstellung an: Die deutsche Hymne kommt ohne Text (damals wurde nicht nur die dritte Strophe des Deutschlandsliedes gesungen!) vom Grammofon, die Hakenkreuzfahne wird gehisst, und schon ist Rabe zur Stelle. Ulrich Tukur spielt mit gewohnter Brillanz den Mann, ohne den zumindest in der ersten Hälfte des Films fast keine Szene auskommt und der sich mit Steve Buscemi als britischer Arzt Dr. Wilson ein Duell der Gerechten liefert. Beide Schauspieler sind für den Deutschen Filmpreis nominiert, "John Rabe" insgesamt sieben Mal.

Ein Budget von etwa 18 Millionen Euro stand dem Regisseur zur Verfügung, der das Geld vor allem in die teure, detailverliebte Ausstattung, 30.000 Statisteneinsätze, spektakuläre CGI-Effekte und epische Cinemascope-Bilder investierte. Florian Gallenberger will ganz großes Kino, und das gelingt ihm auch. Der Aufwand aber erschlägt die Geschichte, die zu belanglos, zu oberflächlich wirkt und von einem unerträglich pathetischen Score begleitet wird.

Das muss man dem Film verübeln, der einerseits mit dem Einsatz dokumentarischer Aufnahmen und sorgfältiger Ausstattung ein hohes Maß an Authentizität erreichen will. Andererseits aber gnadenlos durch ein paar willkürlich ausgewählte, einer stringenten Dramaturgie abträgliche persönliche Schicksale und Anekdoten mäandert, die allein der Emotionalisierung dienen. Gallenberger teilt ein in Gut und Böse, lässt dabei nichts aus - heimlich versteckte Soldaten, versuchte Vergewaltigungen, willkürliche Erschießungen, hier eine Enthauptung, dort ein Berg von Leichen. Der deutsche "Schindler" ist aufgeladen mit Kitsch und Gefühligkeit, hat aber auch einen wirklich genialen Moment: Beim Bombardement der Japaner wird ausgerechnet die Hakenkreuzflagge zum Schutzschild und rettet hunderten Chinesen das Leben.

Dem echten John Rabe, dessen Tagebücher erst 1996 veröffentlicht wurden, wird dieser Film sicher nicht gerecht. Erst im Abspann lassen sich seine inneren Spannungen und Zweifel erahnen: Zurück in Deutschland wird Rabe von der Gestapo verhaftet - als chinesischer Kollaborateur. Und nach dem Krieg verweigern ihm die Amerikaner die Entnazifizierung. Tod 1950 - verarmt und vergessen. Ein paar Zeilen Text am Ende werfen mehr Fragen auf, als der Film vorher beantworten wollte.

Quelle: teleschau - der mediendienst

V:Majestic (Fox), D/ F / RC 2009, R: Florian Gallenberger, D: Ulrich Tukur, Daniel Brühl, Anne Consigny u.a.

Quelle: teleschau - der mediendienst