Kinoprogramm
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Hilde(Hilde, Deutschland 2009, FSK: 12, 137 min.) Drama Hier läuft dieser Film! Kurzbeschreibung:
Als Hildegard Knef im Februar 2002 im Alter von 76 Jahren starb, verlor Deutschland damit nicht nur eine seiner großen Ikonen. Die ganze Welt trauerte auch um eine der faszinierendsten, vielseitigsten und einzigartigsten Künstlerinnen, die je den Schritt ins Rampenlicht gewagt haben. Zwischen den großen Höhen und Tiefen als Schauspielerin, Sängerin und Schriftstellerin war es aber vor allem eines, was die Knef bis heute unsterblich machte: ihr Leben. (j.b.)
Das sagen die Kritiker zu diesem Film:
Ereignis Makatsch ...
Natürlich ist Kai Wessels Filmbiografie "Hilde" auch ein Abriss deutscher Geschichte. Am Anfang Berlin in Trümmern, am Ende Berlin im Glanze. Am Anfang die Nazizeit, am Ende die langsam wiederkehrende Eigenständigkeit und der verantwortungsvolle Umgang mit Schuld. 1943 bis 1966 - das ist der zeitliche Rahmen, in dem sich das Leben der Hildegard Knef in diesem Film abspielt. Durchleuchtet man die 136 Minuten lange Produktion in dieser Hinsicht auf ihren Wert, ist "Hilde" kein großer Film geworden. Sehenswert ist er dennoch und das aus einem einzigen Grund: Heike Makatsch.
Wenn es Schauspielern in Filmbiografien nicht wirklich gelingt, bedeutende historische Persönlichkeiten glaubwürdig darzustellen, berufen sie sich in der Regel auf ihre künstlerische Freiheit. Sie behaupten, es habe die Notwendigkeit der Interpretation gegeben. Beispiel: Robert Downey Jr. wagte eine Annäherung an Charlie Chaplin nur mithilfe der Übertreibung. Heike Makatsch tat das nicht. Sie will, das spürt man in jedem Moment des Films, die perfekte Kopie eines des größten Stars der deutschen Nachkriegsgeschichte sein. Wie sie sich bewegt, wie sie spricht, wie sie aussieht, vor allem aber wie sie singt - Makatsch hat sich zwei Jahre lang vorbereitet auf diese Rolle, die die größte ihres bisherigen filmischen Schaffens ist. Das tat sie mit Erfolg. Heike Makatsch ist hier ein Ereignis. Ihre Leistung sollte, ja sie muss mit Auszeichnungen anerkannt werden. Im Kino ist "Hilde", misst man die Bedeutung eines Films an seinem Kassenerfolg, nur wenig zuzutrauen. Zu selten findet die ältere Generation, die ihre eigenen Erinnerungen an die Knef hat, den Weg ins Kino. Und die Jungen werden ihr - trotz Heike Makatsch - nur wenig Interesse entgegenbringen. Sollten sie es doch tun, so werden sie am Ende nicht wirklich verstehen, warum es nun ausgerechnet dieser nicht besonders hübschen und überschaubar sangesbegabten Künstlerin gelang, sowohl in Hollywood als auch in Deutschland eine Karriere hinzulegen, die ihresgleichen sucht. Was die Deutschen an Hildegard Knef fanden, was die Amerikaner an ihr faszinierte, bleibt unklar. Ihren Erfolg erklärt der Film zunächst einmal als Triumph des Willens. Sie ist nicht einmal 18, doch ihr Ziel ist klar: Hildegard Knef, von Anfang bis zum Ende von Heike Makatsch gespielt, will Schauspielerin werden. Sie überzeugt die UFA-Nachwuchschefin Else Bongers (Monica Bleibtreu) von ihrem Talent. Eine Flucht aus Berlin gegen Ende des Zweiten Weltkrieges lehnt sie ab. Der Film verwendet erstaunlich viel Zeit auf diese jungen Jahre, in denen sich die Knef auch in den Ewald von Demandowsky (Anian Zollner) verliebt, Reichsfilmdramaturg und Produktionschef der Tobis während des Nationalsozialismus. Als männlicher Soldat verkleidet, ergreift sie schließlich mit ihm die Flucht. Die Beziehung zu ihm, zu den Nazis, wird sie noch eine Weile lang nach dem Krieg verfolgen. In der Folge konzentriert sich das Drehbuch von Maria von Heland, das nah dran bleibt an der Knef-Autobiografie "Der geschenkte Gaul", auf das Hin und Her zwischen Berlin und Hollywood. In Deutschland entdeckt sie der Produzent Erich Pommer (Hanns Zischler). Der Film "Die Mörder sind unter uns" macht sie international bekannt. Sie bekommt ein lukratives, mehrjähriges Angebot des US-Produzenten David O. Selznick. Doch die Rollen bleiben aus. Ihre Ehe mit dem Agenten Kurt Hirsch (Trystan Pütter) leidet darunter.
1950 kehrt sie zurück. Es entsteht der Film "Die Sünderin", der zu einem der größten Skandale des Nachkriegskinos wird. Ein Grund dafür: eine kurze Nacktszene, die jedoch im Film außen vor bleibt. Wohl aber wird deutlich, wie Hildegard Knef mit den Werten und den Moralvorstellungen ihrer Heimat bricht. Von Presse, Kirche und Teilen des Publikums verbannt, kehrt sie in die USA zurück.
Quelle: teleschau - der mediendienstEin bisschen zäh schildert "Hilde" dieses jahrelange Wandeln zwischen den Welten, zwischen Heimat und den USA. Sie lernt David Cameron (Dan Stevens) kennen, einen britischen Schauspieler, der ihr zweiter Ehemann wird. Irgendwann dann stellt sich der Erfolg in den Staaten ein, bis hin zu den Hand- und Fußabdrücken vor Hollywoods legendärem Premierenkino, dem Graumans Chinese Theatre. Doch das lässt der Film außen vor. Die eigentliche Ruhmesgeschichte der Hildegard Knef, die sie zum Weltstar werden ließ, wird in musikalisch unterlegten rasant geschnittenen Bildern ohne Erklärung zusammengefasst. Aber um zu verstehen, was Hildegard Knef für die Deutschen und deren Selbstbewusstsein nach dem Krieg bedeutete, wäre mehr Tiefgang an dieser Stelle zwingend notwendig gewesen. So spannt sich der Bogen bis 1966, als Hildegard Knef wieder einmal heimkehrte und in der Berliner Philharmonie ein umjubeltes Konzert gab. "Für mich solls rote Rosen regnen" singt sie dort, was ein sicherlich bewusst in Kauf genommener faktischer Fehler ist, entstand das Lied doch erst zwei Jahre später. Aber natürlich ist es das, womit die meisten bis heute die Knef in Verbindung bringen. Heike Makatsch steht im Licht auf der Bühne und singt. Singt selbst wohlgemerkt, wie alle Lieder des Films. Schade, dass dies hier das Einzige ist, was komplett ausgespielt wird. In diesem Moment kulminiert die Einheit, die die Knef und die Makatsch bilden, in einer Weise, wie man sie selten in einem Biopic gesehen hat. Was dem Film nicht gelingt, gelingt der Darstellerin, die als ungemein lebendige Kopie ihres Vorbilds in diesen Minuten begreifbar werden lässt, warum Hildegard Knef, vor allem als Sängerin im zweiten Teil ihrer Karriere, so viel Beachtung fand. Weder die eine noch die andere verfügt über eine klassisch reine Stimme. Provozierend gesagt: Die Knef konnte nicht singen, und die Makatsch kann es auch nicht. Und dennoch sieht man ihnen gefesselt zu, beobachtet ihre voluminösen Lippen, bewundert ihre Intonation. Man leidet mit dem Klagenden in ihren Worten, hofft mit dem Sehnsüchtigen darin und wünscht ihnen "sämtliche Wunder" und eine "umgestaltete Welt". Dass der Film an dieser Stelle endet, mag dramaturgisch verständlich sein, sorgt jedoch dafür, dass das Bild der Hildegard Knef ein äußerst unvollständiges bleibt. Viel Tragisches, aber auch viel Glückliches folgte erst später. Es blieb beim Auf und Ab in ihrer Karriere - neue Ehe, ausbleibender Erfolg in Deutschland, als die Hildegard Knef älter wurde, dann eine Krebserkrankung. Und nicht zuletzt ein unerwarteter Erfolg beim jungen Publikum mit der Band Extrabreit 1992. Danach Talkshow-Tingeleien, viele Auszeichnungen, aber eben keine nennenswerten Rollen mehr. Doch der Star-Status blieb. Und dank Heike Makatsch bleibt die Erinnerung ... V:Warner, D 2009, R: Kai Wessel, D: Heike Makatsch, Dan Stevens, Hanns Zischler u.a. Quelle: teleschau - der mediendienst |



